Freitag, 10. Juli 2020

Die Seesener Feuerwehrgeschichte von 1870 - 1920

150 Jahre 1870 1920Diese chronologische Rückblende auf die Geschichte der Seesener Ortsfeuerwehr wurde fundiert recherchiert aus zahlreichen schriftlichen Überlieferungen von Berichts- und Protokollbüchern der Wehr. Niedergeschrieben wurde diese von Ortsbrandmeister Thomas Bettner für seinen Vortrag auf der Feierstunde zum 150-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Seesen.

Ortsbrandmeister Thomas Bettner berichtete zu Beginn seiner bedeutungsvollen Zeitreise, dass er sich vor über einem Jahr mit weiteren Mitgliedern der Ortsfeuerwehr auf den Weg in die Geschäftsstelle der niedersächsischen Landesfeuerwehr nach Hannover gemacht habe. Dort haben man die bis zu 150 Jahre alten archivierten, historischen Unterlagen aus der Seesener Zeitgeschichte auf den Tisch gelegt und von zwei dort beschäftigten Kameraden erklärt bekommen welche Schätze wir in unseren Händen halten. Die Feuerwehr Seesen ist im Besitzt fast aller Berichte der Kommandositzungen und Jahreshauptversammlungen von 1870 bis heute. Darüber hinaus liegen viele Beförderungsurkunden und Stammrollen aus den meisten der vergangenen 150 Jahre vor. Damals haben unsere Vorväter Sütterlin geschrieben - was ja heute so gut wie keiner mehr lesen kann, das heißt aber auch - wir brauchten für diese alten Dokumente einen Übersetzer. Die beiden Kameraden aus Hannover konnten fließend die alte Amtsschrift lesen und konnten uns somit weiterhelfen. Mit diesen Schätzen ist es gelungen, Wichtiges, Informatives und auch Amüsantes über Seesens Feuerwehrgeschichte herauszufinden. Er schlug einen weiten Bogen von der ersten Erwähnung des Feuerlöschwesens in der Stadtchronik im Jahr 1593 über die ganz großen Brände, die nicht selten weite Teile der Stadt in Schutt und Asche legten, bis hin zum Ersten Weltkrieg; unter anderem mit der Folge, dass Seesen im Jahr 1919 nur noch 128 Mitglieder hatte.

Aber der Reihe nach. Aus diesen schriftlichen Überlieferungen ist es gelungen Bedeutsames, Interessantes aber auch Vergnügliches über unsere Vergangenheit herauszufinden - daher jetzt die Entstehungsgeschichte aus den Jahren 1870 bis 1920 der Freiwilligen Feuerwehr Seesen. Das Feuerlöschwesen in Seesen ist erstmals 1593 in der Stadtchronik erwähnt. Jeder der Einwohner in Seesen werden wollte, musste einen Ledereimer in das Rathaus bringen oder einen Gulden in das Stadtsäckel zahlen. Die Gerätschaften um ein Feuer zu bekämpfen, waren in der ganzen Stadt verteilt. Leitern, Äxte, Handleuchten und hölzerne Wassertubben gehörten zu den Wohnhäusern, und die Hauseigentümer mussten sich um die Einsatzbereitschaft der Gerätschaften kümmern. Es gab von der Stadt bestellte Feuerherren, die dieses in regelmäßigen Abständen zu überprüfen hatten.

Im Jahr 1757 besaß Seesen schon eine kleine und eine große Handdruckspritze. Nur die Alarmierung durch die Nachtwächter verlief nicht immer zufriedenstellend. Denn bei den Kontrollen der Nachtwächter durch die Feuerherren, wurden diese mehrmals im Schlaf erwischt. Weiter stellten die Feuerherren fest, dass die Gerätschaften zur Brandbekämpfung in einem teilweise dramatisch, schlechten Zustand waren. So waren in einigen Häusern die Werkzeuge überhaupt nicht mehr vorhanden. Um diese Mängel abstellen zu können wurde das Feuerlöschwesen grundlegend umgestellt.

Am 10.10.1788 wurde in Seesen die erste Feuerordnung erlassen, in der die Gliederung der Lösch- und Einreißzüge, sowie der Bewachungs- und Ordnungsgruppen geregelt war. Die Stadt wurde in zwei Löschbezirke aufgeteilt und angesehene Personen bekamen die Aufgabe diese Einheiten zu führen.

In den Jahren vor der Gründung der Wehr wurde Seesen Opfer von vielen Großbränden - hier nur einige wenige Daten aus dieser Zeit:

  • Im Jahr 1522 ist fast ganz Seesen abgebrannt
  • 250 Häuser sind im Jahr 1615 abgebrannt, nur ganze 10 blieben vom Feuer verschont
  • Im Jahr 1626 wurde abermals ein Großteil von Seesen durch ein Großfeuer vernichtet
  • Die Oberstadt und das Rathaus werden im Jahr 1673 ein Raub der Flammen
  • In den Jahren 1707-1825 ist in Seesen neunmal ein Großfeuer ausgebrochen
  • 1862 sind 62 Wohnhäuser und 142 Nebengebäude niedergebrannt
  • Vom 1. auf den 2. September 1869 brannten in Seesen mehrere Wohn- und Geschäftshäuser
  • Am 12.September 1869 brannten vier Häuser in der Innenstadt
  • 25 Wohngebäudebrände gab es am 07.01.1870 in der Innenstadt, 14 davon Totalschäden
  • Am 16.01.1870 brannten 3 Scheunen mit Getreide nieder

Aufgrund dieser hohen Anzahl an Bränden in unserer Stadt Seesen lud im Januar 1870 Bürgermeister Lagerfeld zu einer Sitzung ein. Hier wurde der Beschluss gefasst, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Schon am 20.02.1870 wurde der Beschluss in die Tat umgesetzt und unsere Freiwillige Feuerwehr Seesen gegründet.

In den Statuten von 1870 ist die Gliederung der Wehr in die Spritzencompanien verzeichnet worden, dazu gehörten drei Spritzenzüge und eine Schlauchwagensection. Weitere Abteilungen, waren die Rettungscompanie bestehend aus drei Steigerzügen, einem Handwerkerzug, einem Polizeizug und einem Wachzug. Die Freiwillige Feuerwehr hatte nicht nur die Aufgabe die ausgebrochenen Feuer zu bekämpfen, denn jeder dieser Züge hatte seine eigene, ganz spezielle Aufgabe. Die Rettungscompanie war zuständig um Kleidung und Möbel aus den brennenden Häusern zu retten. Der Wachzug hatte die Aufgabe dieses Inventar zu bewachen und in Sicherheit zu bringen. Die Steigerzüge haben benachbarte Gebäude eingerissen, um eine Brandausbreitung zu verhindern. Alle Feuerwehrzüge unterstanden dem Wehrleiter. Nur der Polizeizug, der für die Ordnung an der Einsatzstelle sorgte, unterstand dem Bürgermeister.

Ausgestattet war die Feuerwehr Seesen mit drei Handdruckspritzen, einem Schlauchwagen mit 700 m Schlauch und einem Leiterwagen, der mit Handwerkzeug beladen war. Die Mitgliederzahl wurde auf maximal 208 festgeschrieben. Am 24.03.1870 stellte der Abgeordnete Friedrich Wilhelm Reuter in der Landesversammlung den Antrag einen Landesfeuerwehrverband zu gründen und forderte, dass das herzogliche Staatsministerium die Gründung von freiwilligen Feuerwehren zu unterstützen hat. Grundlage für diese Forderung waren ein Brand in Seesen und Havelberg, welchen die ansässigen Wehren nicht alleine unter Kontrolle bekamen. Die Wehr Seesen wurde Gründungsmitglied des Braunschweigischen Landesfeuerwehrverbandes.

In den Statuten der Freiwilligen Feuerwehr Seesen von 1872 steht unter anderen in §10 der Dienstvorschriften: "Ein Jeder hat sich mit der Spritze und den dortigen Geräten der Freiwilligen Feuerwehr nach Kräften vertraut zu machen und bei Erlernung der notwendigen Handgriffe den größten Fleiß anzuwenden." Im Übrigen war jedes Mitglied der Seesener Feuerwehr gut damit bedient, wenn er sich penibel an die strengen Dienstvorschriften hielt. Denn auch Buß- und Strafzahlungen gab es in der Wehr. 20 Pfennig an Strafgeld musste zahlen, wer zu spät zum Dienst kommt, 50 Pfennig, wer unentschuldigt nicht zur Übung erscheint, 2 Mark, wer unentschuldigt nicht zum Einsatz kommt. Die vorgestellten Strafen waren ein Auszug aus den Direktiven der Wehr von 1872. Der ein oder andere wünscht sich vielleicht dieses alte Regelwerk zurück, aber man bedenke, 1874 hatten 2 Mark eine heutige Kaufkraft von umgerechnet 15 Euro. Die Strafgelder wurden ausnahmslos, gemeinschaftlich auf den Kommandositzungen und Jahreshauptversammlungen verzehrt.

In dem umfangreichen Reglementarien der Freiwilligen Feuerwehr Seesen sind auch deren Aufgaben aufgelistet – dazu zählten unter anderen auch die Bekämpfung von Feuersbrünsten in einem Umkreis von 7,5 Kilometern Entfernung und die Unterstützung bei Hilfseinsätzen. Die Freiwillige Feuerwehr Seesen wurde gleich in ihrem ersten Jahr zur Versorgung der Soldaten am Bahnhof in Seesen eingesetzt – auch das zählte zu den Aufgaben. Am 24. Januar 1872 hat die Freiwillige Feuerwehr Seesen neue Kopfbedeckungen angefordert, denn die ersten Ledermützen wurden als unpraktisch angesehen. Es wurde die preußische Kopfbedeckung angeschafft und auf dem Landesfeuerwehrtag in Braunschweig vorgestellt. Hier bekam die Entscheidung, einen Helm für die Feuerwehr einzuführen, großen Beifall. Am gleichen Tag wurde mit der Stadt Seesen auch über einen Neubau der Feuerwache gesprochen. Sie wurde im Frühjahr 1878 an die Feuerwehr übergeben. In sechs Jahren wurde dieser Bau umgesetzt, wie schon erwähnt, manchmal wünscht man sich die gute alte Zeit zurück.

Die ersten Wasserleitungen zur Brandbekämpfung wurden in Seesen seit dem Jahr 1872 gelegt. Diese wurden durch die wachsende Industrie und die Eisenbahn immer weiter ausgebaut. In den folgenden Jahren, wurden im Kurpark mehrere Teiche angelegt, um im Sommer genügend Löschwasserreserven zu haben. Die Nachfrage nach Trinkwasser stieg schnell an und so wurde in den Folgejahren Seesen der erste Brunnen in der Nähe von Winkelsmühle gebaut.

Schon Anno 1873 wurde durch die Stadt Seesen eine Bürgerkasse eingeführt. Sollte ein Kamerad sich bei einem Einsatz verletzen oder verunglücken, konnte so die Feuerwehr der Familie mit diesem Geld helfen. Es war festgeschrieben, dass das Kommando frei über dieses Geld zu verfügen hatte. Somit war sichergestellt, dass die Hilfe schnell und unbürokratisch bei den Kameraden und dessen Familie ankam. Herr Jacobson ermöglichte dieses aus seinem Nachlass. Im Jahre 1875 verstarb der Major a.D. Wilhelm Reinecke. Er legte in seinem Testament fest, dass jährlich 100 Taler für die Bürgerkasse an die Feuerwehr gehen sollten, um die Familien der Feuerwehrkameraden angemessen versorgen zu können.

Der braunschweigische Landesfeuerwehrtag fand das erste Mal am 14.06.1874 in Seesen statt. Es reisten mehr als 2000 Kameraden aus den 71 freiwilligen Feuerwehren mit Sonderzügen nach Seesen. Der große Festumzug führte durch die prachtvoll geschmückte Stadt. So war es aus den Protokollen zu entnehmen. Am 02.02.1880 sollte in Seesen eine Pflichtfeuerwehr gegründet werden, denn die Mitgliederzahl war sehr stark auf 140 aktive Kameraden zurückgegangen. Der Krieg hatte seine Spuren hinterlassen. Die Einwohnerzahl von Seesen stieg allerdings in den Nachkriegsjahren schnell wieder an, und somit hatte die Feuerwehr auch keine Probleme mehr Mitglieder zu finden. Durch diesen glücklichen Umstand konnte die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Seesen weitergehen.

Ebenfalls im Jahr 1880 feierte man das erste Gründerfest. Bei den Vorbereitungen war man sich schnell einig, dass keine Reden und Grußworte die Feier stören sollten. Es sollen die durstigen Kehlen befeuchtet werden. Das Bier kostete 5 Pfennig - dieses war möglich, weil sich die Stadt an den Kosten beteiligte. Dieses steht so im Protokoll. Am 24.10.1882 verstarb der Feuerwehrmann Steiger Gent bei einem Großfeuer in Herrhausen. Er wurde von einer einstürzenden Hauswand verschüttet. Die Beisetzung fand unter großer Beteiligung vieler Kameraden statt. Zum Glück ist so ein Vorfall, in der Freiwilligen Feuerwehr Seesen, nie wieder im Einsatz und auch nicht bei den Übungsdiensten geschehen – in der Hoffnung das dieses auch für immer so bleibt.

Auf einer Übung am 07.10.1888 kam es in Seesen zu einem folgenschweren Unglücksfall mit ehrengerichtlichem Nachspiel: Der Steiger Brakebusch, welcher zum Rohrführer kommandiert war, gestattete sich einen unerlaubten Scherz. Er durchnässte den Bürgermeister Hille, dessen Hund und auch den Hauptmann Falkenberg. Vor dem Ehrengericht, das am 5. November 1888 zusammentrat wollte der Steiger die Vorwürfe entkräften. Er sagte, dass Hunde nichts bei einer Übung zu suchen haben und dass sich der Bürgermeister und der Hauptmann vor dem Wasserstrahl hätten in Acht nehmen können. Er selbst hatte bei der Übung seine Brille vergessen und konnte somit die Personen nicht richtig erkennen. Diese Aussage half ihm allerdings auch nicht viel, denn das Ehrengericht beschloss seinen Ausschluss aus der Freiwilligen Feuerwehr.

1892 hatte die Freiwillige Feuerwehr wieder 178 Mitglieder. 1895 sind in Seesen zwei Gebäudefeuer gleichzeitig ausgebrochen. Eine Dampfspritze aus Northeim wurde angefordert und mit einem Sonderzug nach Seesen gebracht. Die Ausbreitung konnte dadurch verhindert werden. Die Kosten des Sonderzuges beliefen sich auf 780 Mark, die die Stadt Seesen bezahlen musste. 1897 waren in Seesen wieder 204 aktive Mitglieder in der Wehr. Am 02.02.1899 traten einige Mitglieder des MTV Seesen in die Feuerwehr ein. Ein Turnerzug wurde gegründet und dieser bekam eine neue Handdruckspritze. Am 01.08.1899 wurden die neuen Kameraden mit all ihren Rechten und Pflichten in der Wehr aufgenommen.

Die ersten überörtlichen Lehrgänge wurden 1910 in Braunschweig angeboten. Sie dauerten 10-11 Tage - von morgens um 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr am Abend. Der Ausbilder, Kamerad Lehmann, sagte zu den Teilnehmern: "Verspätungen oder Fehlzeiten gibt es nicht, jeder Teilnehmer muss sich so einrichten, dass er durchhält." Für die Unterkunft musste jeder selbst sorgen, aber dafür gab es immerhin ein Tagegeld in Höhe von 8 Mark.

Am 15. November 1913 rückte die Berufsfeuerwehr Braunschweig zur Unterstützung nach Seesen an. Es brannten drei Wohnhäuser und sechs Hintergebäude. Die schwarzen Teufel, so nannte man die Feuerwehr Braunschweig in Seesen, kamen mit ihrem Überlandlöschfahrzeug die 53 km an geeilt. Eine weitere Ausbreitung konnte mit deren Hilfe verhindert werden.

Der nächste Krieg ließ nicht lange auf sich warten, und so zählte die Feuerwehr Seesen am 14.04.1919 nur noch 128 Mitglieder. In einer der letzten Sitzung in diesem Jahr war das Thema: "Ob denn geschlossene Feuerwehrfahrzeuge nicht zur Verweichlichung der Truppe beitragen. Sicher vermisst der ein oder andere aus dem heute amtierenden Kommando ein bisschen die gute alte Zeit, in der solche Themen auf einer Kommandositzung besprochen wurden.

                     
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